Ersteindruck: Starcraft 2 (PC, Mac)

Wenn man in einer Starcraft 2-Mission mit Einheiten jongliert, die Resourcen-Sammlung koordiniert und hektisch den Baufortschritt in seinen Kasernen überprüft, dann ist irgendwie alles wieder wie früher. Wie vor 12 Jahren als man sich durch die Kampagne im ersten Starcraft kämpfte oder seine Micromanagement-Fähigkeit in hektischen Multiplayer-Matches unter Beweis stellte. Letzteres meist noch nicht im Internet, sondern eher auf der nächstgelegenen LAN-Party, auf der stundenlange Starcraft-Turniere ausgetragen wurden. Etwas, das mit dem heute erschienenen Sequel übrigens nur noch möglich ist, wenn jeder Teilnehmer auch Internetzugang hat.

Und das ist eigentlich auch schon mein großes Problem mit Starcraft 2: Im Kern ist das immer noch das gleiche Spiel, das die Messlatte für Echtzeitstrategiespiele definiert hat und an dem sich gute RTS-Titel auch heute noch messen lassen müssen. Es gibt die drei völlig unterschiedlichen Rassen, das in APMs gemessene Micromanagement und die berühmt-berüchtigte “balanced imbalance”, bei der es für jede Einheit und jeden Angriff auch einen geeigneten Konter gibt.
Natürlich gibt es auch neue Einheiten, neue Fähigkeiten und Techtrees, die teilweise sogar völlig neue Taktiken ermöglichen. Aber gerade inmitten eines hektischen Multiplayer-Matches kann man schonmal vergessen, dass man hier nicht den Klassiker aus dem Jahre 1998 spielt.

Das Drumrum ist es aber, dass einen gnadenlos aus dieser Illusion herausreisst: Die langwierige Installation samt Patchvorgang, die Zwangsaktivierung über den zwingend erforderlichen battle.net-Account, das Einloggen selbst für die Singleplayer-Kampagne oder auch die fünf bis sechs EULAs, denen ich im Laufe der ganzen Installations- und Aktivierungsprozedur zustimmen musste. Wenn zwischen dem Einlegen der CD und der ersten Mission mehr als eine Stunde liegt, dann trübt das den Ersteindruck doch sehr.

Ich gebe natürlich zu, dass dies (fast) alles Punkte sind, über die man einerseits hinwegsehen kann (so einer EULA muss man ja nicht jedes Mal zustimmen) und die andererseits heutzutage fast schon zum Standard gehören (vielen Dank für die notwendige Zwangsregistrierung, liebe Raubkopierer).

Womit ich aber wirklich meine Probleme habe, ist der Aufbau der Singleplayer-Kampagne. Scheinbar hat Blizzard hier das Gefühl gehabt, dass man im Jahre 2010 etwas mehr bieten muss als das im Kern unveränderte RTS-Gameplay und dementsprechend an allen Ecken und Enden halbherzige Ergänzungen vorgenommen. So darf man jetzt Söldner anheuern (”Elite”-Versionen von Standard-Einheiten), dauerhafte Verbesserungen für Einheiten und Gebäude kaufen (mit Credits, die man sich über Missionen verdient) oder auch verschiedene Techtree-Ergänzungen erforschen (für die man Bonusziele innerhalb der einzelnen Missionen erreichen muss). All dies geschieht in einer – in meinen Augen sehr merkwürdig aufgebauten – Hubworld, die man zwischen den einzelnen Missionen aufsucht. All das erscheint in meinen Augen aber völlig überflüssig, weil ich ständig das Gefühl hatte, das hier einfach nur zusätzliches Füllmaterial hinzugefügt wurde, um das im Kern unveränderte Gameplay moderner und komplexer erscheinen zu lassen. In der Praxis bedeutet dies aber selten mehr, als dass ich z.B. Stimpaks jetzt nicht mehr über mein Techlabor erforschen muss, sondern mit den bereits erwähnten Credits “kaufe”. Eine im Grunde eher marginale Änderung, auf die ich auch gut hätte verzichten können.

Die Story der Singleplayer-Kampagne ist da leider auch überhaupt keine Hilfe. Ich habe jetzt die ersten sechs oder sieben Missionen hinter mir und nach ca. drei bis vier Stunden Spielzeit noch keine wirkliche Begeisterung für die bislang sehr flache Story aufbauen können. Die deutsche Synchro ist da allerdings genauso wenig hilfreich wie die extrem enttäuschenden Zwischensequenzen, die mich qualitativ überhaupt nicht überzeugen konnten – was wiederum sehr bezeichnend ist, wenn man bedenkt, dass Blizzard über Jahre hinweg den absoluten Standard für vorberechnete Cutscenes gesetzt hat.

Daher wird es dann wohl auch nur der starke Multiplayer-Modus sein, wegen dem ich Starcraft 2 noch eine ganze Weile spielen werde. Wem die wenigen Veränderungen in diesem Bereich aber nicht ausreichen, dem kann ich leider kaum Argumente liefern, weswegen sich der Kauf lohnen würde.

Schade eigentlich. Man hat schließlich 12 Jahre auf diesen Titel gewartet.

  1. No comments yet.

  1. July 27th, 2010
Comment are closed.
blog comments powered by Disqus