Ersteindruck: Mafia 2 Demo (PC, XBox 360)
Es ist ja immer etwas schwierig, über ältere Spiele zu schreiben, mit denen man ein besonders positives Spielerlebnis verbindet. Im Laufe der Zeit neigt man schließlich dazu, eher die guten Dinge hervorzuheben und negatives unter den Tisch fallen zu lassen. So kann es also gut sein, dass das 2002 erschiene Mafia überhaupt nie so gut war, wie ich es noch im Kopf habe. Woran ich mich aber noch deutlich erinnern kann, ist der hohe Schwierigkeitsgrad (speziell bei Fahrzeugmissionen), die düstere Grundstimmung sowie die fantastische Atmosphäre im fiktiven Lost Haven und den umliegenden Vororten. Sehr gut habe ich auch noch die verschiedenen Gameplay-Elemente im Kopf, die Mafia absolut einzigartig machten. Wieviele andere Spiele gibt es schließlich, in denen man für Geschwindigkeitsübertretungen angehalten wird? In denen man an roten Ampeln tatsächlich anhalten muss? Wo man von der Polizei sofort festgenommen wird, wenn man mit einer gezückten Waffe durch die Straßen läuft?
Nach jeweils ca. 20 Minuten mit der Mafia 2 Demo auf dem PC und der XBox 360 kann ich jedenfalls feststellen, dass das in Kürze erscheinende Sequel praktisch nichts davon weiterführt. Einzig und allein der Schwierigkeitsgrad scheint auch dieses Mal recht hoch zu sein – was aber genausogut an der Spielmechanik liegen kann, die für meinen Geschmack doch einige Schwächen aufweist. Das Coversystem ist recht hakelig, schnelle Bewegungen werden immer wieder abrupt gestoppt, weil man an irgendwelchen Kanten, Ecken oder Gegenständen hängenbleibt und den Zielmechanismus fand ich auch sehr gewöhnungsbedürftig. Hier gleicht die vergleichsweise präzise Maussteuerung auf dem PC zwar noch einiges aus, dafür muss man aber völlig auf ein Aiming Assist-System verzichten. Das wird seinem Namen auf der XBox 360 allerdings auch nicht einmal ansatzweise gerecht, so dass ich dort noch größere Probleme mit der Zielgenauigkeit hatte als am PC.
Noch viel enttäuschender fand ich aber die Grafik des Spiels. Erwartungsgemäß sieht die PC-Version zwar deutlich besser aus als die Konsolenversion, aber auch dort ist von der dichten Atmosphäre des Vorgängers einfach mal überhaupt nichts übrig geblieben. Das Spiel sieht schlicht und ergreifend zu sauber aus, die Farben sind viel zu kräftig und von dem eher realistischen – und in meiner Erinnerung etwas “dreckigen” – Look des ersten Teils ist überhaupt nichts übrig geblieben. Atmosphäre kommt hier überhaupt nicht auf – da kann auch der im Vergleich gelungene Sound mit dem zur damaligen Zeit passenden Soundtrack nur wenig ändern.
Vielleicht liegt es ja auch nur an der speziell für die Demo zusammensgestellten Mission oder an der wenigen Zeit, die einem bleibt, die Stadt zu erkunden (für die Bewegung außerhalb der Mission bleiben einem nur 10 Minuten). Vielleicht muss ich dem fertigen Spiel noch einmal eine Chance geben, wenn man auch die Story und die Charaktere im Zusammenhang sehen kann. Die erste Enttäuschung bleibt aber erst einmal – besonders nachdem ich völlig unbehelligt über eine rote Ampel gefahren bin. Mit erhöhter Geschwindigkeit. Direkt an einem Polizeiauto vorbei.
Vor acht Jahren wäre das nicht möglich gewesen. Falls mich meine Erinnerung nicht trügt.